Glotzauge - Kino / DVD

Ein Interview mit Stefanie Kloss von Silbermond

Sing – oder überr das Leben mit Prüfungsängsten & schweren Zeiten

Mit Liedern wie „Das Beste“, „Irgendwas bleibt“ oder „Leichtes Gepäck“ hat die Deutschrock-Band „Silbermond“ aus Bautzen die Charts erobert. Die sympathische Frontfrau Stefanie Kloß (32) erlangte darüber hinaus als Coach der Show „The Voice of Germany“ Popularität.
Der Animationsfilm „Sing“, angesiedelt in einer von Tieren bevölkerten Stadt, erzählt die Geschichte des Theaterleiters Buster, der die drohende Schließung seines Hauses durch die Austragung einer großen Casting-Show abwenden will. Stefanie Kloß leiht dem Stachelschwein Ash ihre Stimme. Wir befragten die Synchronsprecherin über Prüfungsängste, Schlüsselmomente und schwere Zeiten.
 
Frau Kloß, ein Tonstudio ist Ihr natürlicher Lebensraum. Was war diesmal anders?
 
Natürlich war es eine neue Herausforderung. Aber gerade das ist es ja, wonach man als Künstler sucht. Solche Aufgaben bringen einen mit seinem Instrument weiter. Mein Instrument ist nun mal die Stimme, deshalb war es wahnsinnig spannend, einer solchen Figur Leben einzuhauchen. Was übrigens gar nicht so einfach ist, wie man vielleicht denkt. Ich habe einen großen Respekt für alle Synchronsprecher entwickelt, die das so wunderbar machen.     
 
Ash ist physisch recht aktiv. Sind Sie in der Kabine ins Schwitzen geraten, mussten Sie schauspielern?
 
Ich wollte das gern machen und habe mich beim Einsprechen auch sehr viel bewegt. Das war aber nicht von Vorteil, weil ich mich immer vom Mikro wegbewegt habe. Deswegen musste ich mich dann schon ein bisschen zusammenreißen. Ich habe den Film kürzlich zum ersten Mal fertig gesehen. Ich finde, das Zusammenspiel der Tiere funktioniert echt toll und es hat großen Spaß gemacht, das zu gucken.    
 
Was hat Sie an der Welt von „Sing“ besonders fasziniert?
 
Es macht einen guten Animationsfilm aus, dass er dich berührt und bewegt. Er bringt dich dazu, etwas zu empfinden. Bei „Sing“ ist das der Fall. Es gibt eine Menge zu lachen, aber auch sehr emotionale Momente, wenn manche der Charaktere in schwierige oder traurige Situationen geraten. Es ist die vielzitierte Achterbahn der Unterhaltung und am Ende verlässt man das Kino mit einem guten Gefühl. 
 
Im Film wird Koala Buster als Kind von seinem Vater mit ins Theater genommen und verliebt sich unsterblich in diese Scheinwelt. Gab es einen ähnlichen Moment auch in Ihrem Leben?
 
Den gab es tatsächlich. Damals hat mich der Freund meiner Mutter auf ein Konzert von Joe Cocker in Dresden mitgenommen, es muss so um 1998 gewesen sein. Das war mein allererstes Konzert. Mich haben diese Background-Sänger von Joe Cocker total begeistert. Von da an wollte ich immer Background-Sängerin werden. Hat ja auch fast funktioniert.    
 
Gab es auch bei „Silbermond“ eine Phase, in der sich die Rechnungen gestapelt haben, man irgendwo gepennt hat und niemand wusste, wie es weitergeht?
 
So eine Phase durchlebt wahrscheinlich jeder einmal, der versucht, etwas auf die Beine zu stellen und seinen Traum Stück für Stück wahrzumachen. Wir als Band hatten natürlich das Glück, dass wir sehr jung waren, als wir das angegangen sind. Am Anfang waren unsere Eltern immer da, um uns zu unterstützen. Wir hatten ja noch keinen Führerschein und sie haben uns von A nach B gefahren. Wir haben auch noch bei unseren Eltern gewohnt. Diese Unterstützung war uns sehr wichtig und dadurch sind wir zum Glück nie in eine extreme Situation gekommen. Aber als wir 2001–2003 als Band unterwegs waren, gab es schon eine Bandkasse, in die jeder Cent reingeflossen ist. Und zu dieser Zeit haben wir uns auch nicht sonderlich gut ernährt. Der Döner von um die Ecke musste reichen.         
 
Was macht eine gute Casting-Show aus?
 
Das ist nicht so mein Steckenpferd. Ich war in der Jury von „The Voice of Germany“ und für mich ist das keine Casting-Sendung, sondern eine Gesangsshow. Sie bietet Musikern eine Plattform, die sonst nicht das Glück hätten, andere Musiker zu treffen und mit ihnen zu arbeiten. Hier können sie ihr Talent zeigen. Letztendlich bist du es immer selbst, der Talent mitbringt oder eben nicht. Und es liegt an dir, diese Plattform zu nutzen. Sie ist kein Garant für Erfolg. Du bekommst deine Chance und was du am Ende daraus machst, ist dein Ding.     
 
Können Sie selbst gut mit Prüfungssituationen umgehen?
 
Es ist immer noch so, dass wir vor Konzerten sehr aufgeregt sind. Das sehe ich zwar nicht als Prüfung an, aber es ist natürlich auch eine Sache, die du gut machen willst. Man möchte den Leuten, die sich schon lange eine Karte gekauft haben, etwas mitgeben, das sie noch lange als schöne Erinnerung bei sich tragen können. Wenn ich sehe, wie viele Menschen sich schon Karten für den nächsten Sommer gekauft haben, finde ich das sehr krass und ich bin schon wieder aufgeregt. Ich stehe dann hinter der Bühne und frage mich, was ich eigentlich hier mache. Aber die Leidenschaft und die Freude an dem, was ich tue, sind da gute Helfer.   
 
Schauen Sie hin und wieder noch „The Voice“?
 
Natürlich beschäftige ich mich nicht mehr so intensiv damit wie damals, als ich noch in der Jury saß. Ich habe gerade mit der Band sehr viel zu tun. Aber wenn man beim Durchzappen da hängenbleibt, freut man sich natürlich. 
 
Das Stachelschwein gilt in der Mongolei als spiritueller Führer. Haben Sie selbst eine spirituelle Seite?
 
Ich denke oft über die Dinge des Lebens nach, aber ich mag die Realität. Ich bin ein Träumer, wenn es um Fantasien und das Songschreiben geht und ich nach schönen und lyrischen Bildern Ausschau halte. Aber im Großen und Ganzen bin ich Fan von dem, was ich sehen und greifen kann. 
 
In welchen Situationen würden Sie gern Stacheln abschießen können?
 
Ich wünschte, es würde gar keine Situationen geben, in denen man diesen Wunsch hat. Ich würde mich freuen, wenn ich so mit mir im Reinen und so in meiner Mitte wäre, dass ich gar nicht in einen Bereich komme, in dem ich mich emotional zu so etwas hinreißen lasse. Aber die Stacheln für eventuelle Notfälle zu haben, wäre ja nicht ganz so schlecht.   
 
Schätzen Sie Scarlett Johansson, die Ash im Original spricht?
 
Ich finde, sie hat das echt toll gemacht. Ich habe den Film zum ersten Mal im englischen Original gesehen und was sie da gesanglich abliefert, ist auf jeden Fall ein Knaller. Dazu ist sicherlich nicht jede Schauspielerin in der Lage.   
 
Gehen Sie ins Kino?
 
Immer weniger, muss ich sagen. Es gibt Filme, die muss man sich auf der großen Leinwand anschauen. Wir waren als komplette Band bei der Dokumentation über die „Foo Fighters“ im Kino. Ansonsten sind wir echte Serienjunkies und genießen es, zu Hause das zu schauen, was man möchte und wann man es möchte. 
 
Stehen Sie selbst gern für Videoclips vor der Kamera?
 
Ich finde es schön, dass wir als Band viele Dinge machen können, die mit Musik zu tun haben. Aber natürlich leben wir zuallererst für den Moment, in dem wir die Musik mit anderen Menschen teilen. Dazu gehen wir auf die Bühne, es ist eher unser Ding als das Drehen von Videos. Trotzdem halte ich das Video an sich für eine tolle künstlerische Form, um Musik darzustellen und ihr im besten Fall noch mal eine andere emotionale Ebene zu geben. Unser Schlagzeuger Andreas ist ein sehr guter Fotograf und hat unsere letzten Musikvideos gedreht. Für ihn stehe ich sehr gern vor der Kamera. 
 
Auf welche Musik kann sich ein Dieb freuen, der Ihr Smartphone oder Ihren MP3-Player entwendet?
 
Ich mag es, mitzubekommen, was an neuer Musik unterwegs ist. Deshalb höre ich gern Playlisten mit aktuellen Sachen. In unserer Band ist der Musikgeschmack sehr weit gefächert. Ich höre, was die Jungs gerade hören, weil sie sehr musikalisch herangehen. Sie sind gerade auf dem Trip der „Rival Sons“ und haben sich auch schon Konzertkarten gekauft. Unsere letzte Platte haben wir in Nashville aufgenommen und es war total interessant zu sehen, welche musikalischen Einflüsse dort am Start sind. Damit meine ich nicht nur die Country Music, sondern alle Künstler, die dort schon aufgenommen haben. Ich genieße diese vielfältigen Einflüsse, deshalb lege ich mich gar nicht gern fest.      
 
Wie sieht Weihnachten bei Familie Kloß aus?
 
Wir fahren nach Bautzen und feiern dort mit Familie und Geschwistern, ganz traditionell. 
 
Die Fragen stellte André Wesche.
 

 

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Publiziert am: Donnerstag, 5. Januar 2017 um 14:22 Uhr