Hörsturz - Tonträger

Von Rolling Stones bis Trio

Aktuelle CD-Rezensionen von ThoBe

Rolling Stones

Blue & Lonesome

Universal / Polydor

Auch wenn die einschlägige Presse das neue Album der in die Jahre gekommenen Band schon ausreichend besprochen hat, lohnt sich trotzdem eine weitere Rezension, denn die Rolling Stones sind immer wieder für eine Überraschung gut. Nach ihren großartigen Konzerten in Kuba, die auf Tonträger zu empfehlen sind, als Nachfolger gleich eine Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln, zum Blues. Live aufgenommen hören wir schön dreckig, und kein bisschen steril, Songs, an denen sich Jagger & Co ihr Leben lang orientiert haben. Die Band verneigt sich ganz tief und ehrlich vor Little Walter, Eddie Taylor, Howlin` Wolf, Otis Rush (als Interpreten) und Willie Dixon, Otis Hicks, Jimmy Reed, die einige der genialen Lieder schrieben. Hoffen wir nur, dass die Rolling Stones vom reichlich eingenommenen Geld abgeben, ob nun an die Erben oder an Stiftungen, die den guten alten Blues am Leben erhalten.

Big Daddy Wilson

Neckbone Stew

Ruf Records

Die „Rufer” veröffentlichen frisch und gewagt das neue Album vom legendären Big Daddy Wilson. Die Idee zu diesem feinen Werk war, einen guten Eintopf aus vielen erlesenen Zutaten zu kreieren. Wilson nahm in der richtigen Mischung Blues, Spiritualität, Seele, Reggae und seine südlichen Wurzeln auf und präsentiert ein ausgefeiltes Werk, welches besonders mit einer unverwechselbaren Stimme und einem prima Songwriting besticht. Neben knackigen Liedern erlebt der Hörer akustische Bluesmomente („Cross Creek Road“), melancholisch abgehackte Akkorde („Damn If I Do“) und üppige Basslinien, die mit einer Wah-Gitarre harmonieren. Natürlich darf beim Blues die Ballade nicht fehlen, die B.D. Wilson wohlig vergnügt einspielte und mit reinem Herzen präsentiert. Wie sollte man nun diese Blues CD anhören, Herr Wilson? „Es gibt zwei Dinge, die man bei einer guten Blues-CD braucht – eine Frau und etwas zu essen.“ Mein Rat noch dazu: Bier trinken nicht vergessen!!!!

Trio

Live im Beatclub

Sireena Records

Was zu seligen Beat-Club Zeiten nicht alles so aufgenommen wurde und nun endlich den Weg in den heimischen DVD-Player findet. Neu und genial abgemischt gibt es einen Mitschnitt mit den Helden der Neuen Deutschen Welle, Trio, die sich von all den deutschen Popschlagern der 1980er Jahre hervorhoben und in ihre Lieder jede Menge Anarchie packten. Am 5. April 1982 standen Stephan Demmler, Kralle Krawinkel und Peter Behrens im Studio von Radio Bremen, um gut gelaunt und voller Tatendrang ihr neues Bühnenprogramm zu präsentieren. 79 Minuten lang regnet es Hits, die oft Sinn frei, aber bis heute hörenswert sind. Zu sehen gibt es eine lustige Show, die u.a. von „Ja Ja Ja“, „Da da da …“ und „Ya Ya“ umrahmt wird. Singen wir jetzt alle lustig und vergnügt mit: „Wo geht`s lank, Peter Pank schönen Dank.“

Mississippi Heat

Cab Driving Man

Delmark Records

Schrieb ich ja bereits: Der Blues hält wieder Einzug in große Musikhallen und in die nach ihm dürstende Hitparade. Das nun vorliegende Album wertet die 25 jährige Geschichte von Pierre Lacocque`s Mississippi Heat noch etwas auf. Die Leadsänger Inetta Visor und Michale Dotson stürzen sich mit heißem Herzen und unverwechselbaren Stimmen in eine geniale Mischung aus Boogie, verschiedenen Spielarten des handfesten Blues` und einer Spur Southern Rock. Hier ein wegweisender Speedsound („Cab Driving Man“), dort eine beruhigende Ballade („Flowers …“) und immer wieder das einschneidende Mundharmonika-Spiel vom Chef persönlich. Sechzehn Songs sollten wohl genügen, damit in diesem Jahr das Quintett aus den USA viele Freunde dazu gewinnt und der Blues endlich wieder die Gehörgänge der Landbevölkerung frei bläst.

Gerd Knebel

The Knebells

Frau Bratz Records

Seit vielen Jahren ist der hessische Jung` Gerd Knebel mit seinem Partner Henni Nachtsheim als Badesalz wohl bekannt. Sie touren durch die Lande und verbreiten Spaß und Tollerei. Wer jemals eine Veranstaltung besucht hat, der wird Badesalz für immer treu bleiben. Aber auch die Soloprojekte sind vom Feinsten. Henni schreibt Bücher und verbreitet fußballerischen Spaß. Gerd musizierte in der Solozeit schon mit verschiedenen Heavy-Größen, sang mit den „Groben Junggesellen“ manch spaßig-knalligen Song und begeistert ebenfalls mit Humor, der anarchistisch daherkommt. Nun wagt er sich mit hartem Sound, gut tanzbaren Melodien und herrlich verwirrenden Texten an ein neues Kapitel: The Knebells. Bläsersätze, sägende Gitarren und ein rumpelndes Schlagzeug begleiten böse Lieder über doofe Blondinen, „dicke Mütter“, die man lieben muss, und „Stille Killer“, die keiner sieht, sondern nur spürt. Das Album „The Knebells“ ist die erste Tat des Labels Frau Bratz Records, das Badesalz gründeten, um von den zu großen Aasgeiern mutierten Plattenfirmen unabhängig zu sein. The Knebells sind wohlgelungen.

Fatboy

Songs Our Mothers Tought Us

Razzia Records / Bear

Die schwedische Band, die aus acht eingefleischten Könnern besteht, ist bereits seit 20 Jahren aktiv und überrascht gerne mit deftigem Rock`n Roll, schnellen Bluesvariationen und tollem Rock, der kein Publikum auf seinen Stuhl sitzen lässt. Sie können auch Punk, Country und Rockabilly, der sich durch die Lieder schlängelt und eine Spur zufriedener Fans zurück lässt. Das vorliegende Werk ist live eingespielt und für jede Party bestens geeignet. Man spielt die Hits, die im Lauf der Zeit vom Publikum immer wieder gewünscht wurden und die ganze Band Fatboy auszeichnet. Diese 15 Songs sind einfach genial und ewig hörbar.

Autor: Thomas Behlert

Der CD-Tipp von ThoBe: Max Power 2.0 und die "Lach- und Krachgeschichten"

Lustig und vergnügt…

In der heutigen Media-Welt wagen sich Plattenfirmen und Radiosender kaum noch an unbekannte Themen. Lieber wird Wohlbekanntes genutzt und die neuen Alben von Sting und den Rolling Stones als besondere Meisterleitung genannt. Kann man nichts falsch machen. Liedermacher haben es [...]

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Publiziert am: Donnerstag, 5. Januar 2017 um 15:06 Uhr